Clarice Lispector

Clarice Lispector, geboren am 10.12.1920 in Tschetschelnik (Westukraine), stammte aus einer jüdischen Familie, die wiederholt vor Pogromwellen fliehen musste. Im Alter von eineinhalb Jahren kam sie nach Brasilien, wo sich die Migrantenfamilie im Nordosten niederließ, zunächst in Maceió im Bundesstaat Alagoas, dann in Pernambuco. Ihr Geburtsname Chaja (hebräisch: Leben), wurde bei der Ankunft in Brasilien aus Assimilierungsgründen geändert, sie hieß nun Clarice. Als sie neun Jahre alt war, starb ihre Mutter. Kindheit und Jugend verbrachte sie in der Hauptstadt Recife, bis sie 15-jährig mit dem Vater und den beiden älteren Schwestern nach Rio de Janeiro zog. Ihr Entschluss, Schriftstellerin zu werden, war da schon längst gefallen. Aus jugendlichem Gerechtigkeitssinn heraus studierte sie Jura, gleichzeitig schrieb sie. 1940 erschien ihre erste Erzählung „Der Triumph“ in einer lokalen Zeitschrift. Wagemutig klopfte die junge ambitionierte Autorin bei Redaktionen an und erhaschte eine Stelle bei der Nationalen Nachrichtenagentur. Im Team junger Journalisten gewann sie bald an Profil. Trauer um den plötzlichen Tod des Vaters, Überarbeitung durch Studium und Beruf stürzten Clarice Lispector 1941 erstmals in eine tiefe Depression, die klinisch behandelt wurde. Psychische Probleme und Therapien begleiteten sie lebenslang. 1943 veröffentlichte sie den aufsehenerregenden Roman „Nahe dem wilden Herzen“. In den 1940er ...